DSA Dienstleistungen für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung GmbH

Kaufhaus bietet Chancen für Arbeitslose und Bedürftige

Am Montag eröffnet in Kamenz das erste Fair-Kauf-Zentrum. Vor allem Frauen verkaufen Waren aus zweiter Hand.

Andreas Crämer schwitzt vor der Eröffnung. Gerade erfasst er alle Artikel ins Waren-Wirtschafts-System. Rund 400 Artikelnummern hat er schon vergeben. Nebenan in einer der drei Verkaufshallen sortieren Frauen Jeans in blank geputzte, rote Regale ein. Bis Montag muss alles fertig sein. Pünktlich neun Uhr wird das Fair-Kauf-Zentrum seine Pforten öffnen. Für zwölf Langzeitarbeitslose endlich wieder Berufsalltag, endlich wieder das Gefühl gebraucht zu werden und vielleicht endlich die Chance auf Arbeit. Für Bedürftige ist das Fair-Kauf Zentrum Gelegenheit, sich mit Haushaltwaren und Kleidung aus zweiter Hand günstig einzudecken.

Die Dienstleistungen- und Arbeitsmarktentwicklung GmbH (DSA), das Arbeits- und Sozialzentrum (ASZ), die Kamenzer Bildungsgesellschaft und die Arbeitslosenhilfe organisierten das Projekt seit Oktober 2007 gemeinsam. Vor allem für langzeitarbeitslose Frauen ist es angedacht. Denn bei nur 30 Prozent liegt der Anteil der Frauen, die nach Arbeitslosigkeit wieder einen Job erhalten. „Frauen sind schwerer vermittelbar, sie sind weniger mobil und benötigen wegen der Kinder einen wohnortnahen Arbeitsplatz“, so ASZ-Chefin Andrea Kunath. Weil Frauen oft aus den Branchen Verkauf und Handel kommen, sollen sie in diesem Bereich fit gemacht und auf den neuesten Stand gebracht werden.

Für ein Jahr Dauer konzipiert

Konzipiert ist das Projekt zunächst auf ein Jahr. Die Arbeitskräfte zwischen 20 und 50 sind für den gesamten, ungewöhnlich langen, Zeitraum eingeplant. Ausgewählt wurden sie vom ASZ. „Kriterien waren Gewissenhaftigkeit, kein vorhandenes Alkoholproblem, Kommunikativität, keine gravierenden Gesundheitsprobleme“, sagt Andrea Kunath. Andreas Crämer und Marianne Jadwizak leiten das Zentrum. Sie arbeitete lange im Handel, er ist handwerklich und technisch versiert. Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Soziales kann er auch motivieren. Schließlich ist es für Teilnehmer ungewohnt, wieder ein reguläres Arbeitsleben zu führen.„Bis jetzt sind alle motiviert.“

Sechs Stunden täglich werden sie im Lager, in der Logistik oder im Verkauf eingesetzt. Mittwochs drückt das Team bei der Kamenzer Bildungsgesellschaf die Schulbank. Schwerpunkt des Unterrichts ist der Verkauf. „Es ist die erste Maßnahme mit Schulung. Einige frischen ihr Wissen auf, für andere ist es Neuland“, sagt Jörg Heidig. Ihm ist wichtig, dass es im Kaufhaus wie im „echten Leben“ zugeht, dass die Anforderungen so real wie möglich sind. „Deshalb haben wir in ein modernes Waren-Wirtschafts-System investiert.“ Der Artikelbestand wird per Computer verwaltet, die Kasse ist daran angeschlossen. „Eigentlich wäre es nicht notwendig. Aber wir wollen den Teilnehmern die Möglichkeit geben, sich auf heutige Standards einzustellen.“ Das System stammt von der Großröhrsdorfer Firma MSC. „Das System wird in der Region oft genutzt, also bei potentiellen Arbeitgebern. Es ist wichtig, im Umgang damit fit zu sein.“ Bewusst wurde der Standort am Garnisonsplatz gewählt. „Direkt neben Tafel und ASZ ist es für Bedürftige etablierte Anlaufstelle“, so Heidig. In den letzten Monaten wurden die Räume renoviert. Es ist hell und freundlich. „Wir wollen ein ordentliches Niveau schaffen. Bedürftige sollen ihre Möbel nicht in dunklen Kellern kaufen. Auch wenn sie gebraucht sind.“

Starke helfen Schwachen

Marianne Jadwizak weiß, wie sie das Team bestehend aus drei Männern und sieben Frauen führt. „Die Stärkeren sollen Schwächeren helfen, am Ende sollen alle das gleiche Niveau haben.“ Alle sollen gut gerüstet sein für einen Job in der Verkaufsbranche. „Nebenbei gehen die Bewerbungen weiter. Die Teilnahme am Projekt wird helfen“, ist sich Jörg Heidig sicher. Das breitgefächerte Sortiment ist vorrangig für Bedürftige bestimmt. Andreas Crämer preist die Artikel nach Gefühl aus. Für eine Bratpfanne hält er einen Euro für angemessen.

Das Fair-Kauf-Zentrum

Das Fair-Kauf-Zentrum bietet in drei Verkaufshallen Haushaltwaren, Kleidung und Artikel querbeet

Das Sortiment ist breit gefächert: Geschirr, Pfannen, Schulranzen, Toaster, Kleidung...Möbel werden weiterhin bei der Kabi aufgearbeitet, aber hier zum Teil angeboten.

Vorrangig ist das Angebot für Bedürftige gedacht, die Preise haben nur symbolischen Charakter. Ob künftig auch Schnäppchenjäger kommen dürfen, ist noch unklar. Die aber würden einen höheren Preis zahlen.

Die kostenfreien Artikel aus zweiter Hand werden nur genommen, wenn sie gut erhalten und funktionstüchtig sind. Gern werden sie auch aus den Haushalten abgeholt. Unter (03578) 36 14 02 können die Dinge angeboten werden.

Öffnungszeiten: Montags 9 bis 12 und 13 bis 15 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9 bis 12 und 13 bis 18, Mittwoch geschlossen, Freitag 9 bis 12

Wo?: Garnisonsplatz 4 in Kamenz.

Sächsische Zeitung
Samstag, 3. Mai 2008

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Bild: Zertifikat